Gedichte des Monats

Lorenz Heiß

Mundartdichter - Bergsteiger - Hobbyfotograf


2020 - Gedichte des Monats

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Schwoarze Vögl

 

Ma siahgt heit kaam no Vögl fliagn.

Es liegt – hoaßts – am Insektnsterbm.

Des stimmt, doch s droht dem buntn Gfieder

aa no ban Flug durch d Luft Verderbm.

 

Wann s länger fliagn, versengts eah d Federn,

denn d Luft is aufghoazt, Hass und Hetz

und Lug und Trug schwirrn umanand,

verschickt ois Nachricht übers „Netz“.

 

De "buntn Vögl" siahgst nit mehr,

wo Hass und Hetz de Richtung weisn.

Pass ma nit auf, wern über ins

dann grad no schwoarze Vögl kreisn,

s wern "schwoarze Vögl" kreisn.

Mach s Beste draus

 

Was kimmt no oiss

und wia werds wern?

Ma möcht versteh,

ma wisserts gern

wias um oan steht,

doch neamd ko sagn

wias weitergeht.

 

Wias kimmt, so kimmts.

Nimms o, na stimmts

und hab a bisserl Gottvertraun.

Ma ko nit in de Zukunft schaun.

 

Deim Schicksoi

kimmst du eh nit aus.

Mach s Beste draus

und leb im Iatz,

im Iatz und Heit

und hab am Lebm im Iatz

a Freid.

S Weiterlebm


Wanns aus is und goar,
werds da no ebbas gebm?
Ma lehrt ins, danach gabs
des Ewige Lebm.


S woaß koaner obs stimmt.
S woaß koaner was kimmt.


I moan, es werd irgend
a Weiterlebm gebm.
Mit Kinder, mit Freindschaft,
da bleibt was van Lebm.


So lang nach mein Dasein
wer dro denkt an mi,
so lang no wer trauert,
weil i nimma bi.


So lang no wer sagt,
i geh eahm voi a(b),
so lang is va mir
irgend ebbas no da,

irgendwas is va mir dann no da.

S Ewige Lebm


Wanns aus is und goar,
werds da no ebbas gebm?
Ma lehrt ins, danach gabs
des Ewige Lebm.


Fürn Aufrechtn is
s Paradies auserkorn,
da Böse muaß ewig
ban Teife drunt schmorn.


Warum setzt a Glaubmslehr
nit auf Vertraun?
Warum auf belohna
und abstrafn baun?


I woaß s nit, is s richtig.
Für mi is s nit wichtig,

denn, wanns aa koa Höll
und koan Himme nit gabat,
es waar doch de Liab
an de i dann glabat,

s waar sicher de Liab
an de i dann glabat.

Mei grouße Liab


I mag dei woarmes Herz,
mag deine liachtn Augn.
Dei Lachn is wia Medizin.
Wiast bist, so duast ma taugn.


Mia gfoit was du so sagst,
mia gfoit aa was du denkst.
Gspür s Glück in mir, wannst bei mir bist,
wannst di an mi verschenkst.


Mia habm de gleichn Traam,
mia habm de gleiche Freid
an oi de Wunder drobm am Berg
zu jeder Joahreszeit.


Mia zwoa san gern alloa,
mia zwoa, mia suachn d Ruah.
De Welt is ins vie z’laut und z’grell,
san oans mit da Natua.


I möcht gern bei dir sei,
so lang, bis dass i stirb.
Du bist und bleibst des Lebm für mi,
du bist mei grouße Liab.

Früahling am Berg

Ab und zua

Nach Corona

Corona

Mei Zeit am Berg

Oiss hat sein Preis

Überlebm

Schnäppchen

D Leit re(d)n vie

2019 - Gedichte des Monats

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Broutlose Kunst

Oiss lasst nach

Wann du nit da bist

Eigentlich

Da Schreibtisch lockt

Mia grabm

Zwoa Viecher, zwoa Weltn

Oiwei wieder


Setz du a Zeich

Rettet die Bienen

Wissn is Macht

Gegan Wind

Zwoa Seitn

Leb im Iatz 

Aufschroa

Nia was anders gsehgn

 

Warum, ja warum

Tanz am Vulkan


2018 - Gedichte des Monats
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No amoi

Des Kreiz ban Teife

Wörter wia Stoa

 

Des “Mia san mia”,

 

Was bist Du?


Summa am Weiher


Is s iatz scho z’spat?


Aus da Zeit

In an Kinderwagn gschaut


Es kimmt was auf ins zua

Stoiz sei‘

Des grouße Fressn


Monatsgedichte vor 2018:

Flächnfraß


S werd ohne Rücksicht oplaniert

und asphaltiert und betoniert,

s werd niedergmacht, was wachst und blüaht

und neamd is da, der protestiert.


S werd s Land verschandlt und verbaut

und auf d Natur vie z’wenig gschaut.

Da Flächn-Fraß werd oiwei mehr.

Mia wern dem Übe nimma Herr.


Für d Menschheit werd de Welt boid z’kloa.

An Blasboig bräucht ma, wia i moa,

an Blasboig - völlig nei erfundn -

mit dem ma d Welt vergrößern kunntn.


Ma blasat s auf, wia’n Luftballon,

scho hätt ma Platz für mehr Beton

und mehr Asphalt. Des waar a Freid!

Ma blasat grad va Zeit zu Zeit.


Zletzt blasat ma, bis s d Welt dann z‘reißat

ins Menschn weit ins Weltall schmeißat.

Und no was fliagat hinterher,

des waarn Betonbröck, Kies und Teer.


Ma kunnt dann d Milchstraß asphaltiern,

ma kunnt Planetn oplaniern,

kunnt Umlaufbahnen betoniern

und koa Naturschutz daad geniern.


Und ohne Wiesn, Woid und Feld

entstand im All a neie Welt.

Betongoid


D Jalousien heruntn,

de Türn fest verrieglt,

de Wohnung verwaist

oft zehn Monat im Joahr.


Und trotzdem werd neu baut.

s werd baut und grad baut,

denn Betongoid is gfragt

und Objekte zan abschreibm.


Sie baun und sie baun,

und aa mia kinnan abschreibm,

mia kinnan bestimmt

inser Hoamat boid abschreibm.


aus dem Buch "Gedanknflug"


Krieg im Nahen Osten


Wann d Stoana schrein


Stoa auf Stoa

auf’nandergschicht‘

mit so vie Müah und Fleiß


Stoa auf Stoa

mit Mörtl gfugt

de Mauern tränkt mit Schweiß


Stoa auf Stoa

denn aus de Stoa

soit Schutz und Hoamat wern


Stoa auf Stoa

und endlich konnst

aus Häuser Lachn hörn


A Kriag bricht aus

und Haus um Haus

zerbombt, zerstört, zerfoin


Wo Stoa auf Stoa glegn

liegt koa Stoa

koa Stoa mehr auf dem andern


Schutt und Aschn

Trümmerfeld

de Stoana tränkt mit Bluat


Da schrein de Stoa

verzweifet auf:

Mia san zwar hoart, mia Stoa


stoahoart san mia

doch mia san z‘foin

denn härter is da Mensch

Die Armen werden immer ärmer, die Reichen immer reicher.

1% der Weltbevölkerung besitzt schon jetzt knapp 50% des Weltvermögens.

Immer mehr Waffen schüren immer mehr Kriege. Deutschland ist einer der größten Waffenexporteure.

Riesige Konzerne sichern sich die Rohstoffvorkommen der 3.Welt und fischen die Küsten Afrikas leer.

Industrie- und Schwellenländer verschmutzen die Umwelt. Durch die Erderwärmung werden die Wüsten, aber auch die Überschwemmungsgebiete immer größer.


20 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht vor Armut, Krieg, Arbeitslosigkeit und Zerstörung ihres Lebensraumes.


Obergrenzn


I hoff, dass jeder des versteht,

mia helfn Flüchtling wo s grad geht,

doch mehra kinn ma nimma nehma.

Zu ins, da möchtn oisand kemma.

Der Flüchtlingsstrom nahm nia an End,

a Obergrenzn waar konsequent.


Doch oans is klar, des is zwar schwa(r),

ois Konsequenz bräuchts nachat aa

erst recht a Reichtums-Obergrenz,

a Waffn-Export-Obergrenz,

a Rohstoff-Ausbeut-Obergrenz,

a Welt-Zerstörungs-Obergrenz.


Wann mia des oiss begrenzn daadn

mit da gleichn Konsequenz,

na bräucht ma irendwann vielleicht

goar koa Flüchtlings-Obergrenz.


Politiker ziagts Konsequenzn,

s bräucht aa no andre Obergrenzn!


Gedanken zum gegenwärtigen IS-Terror,

aber auch zu den Kriegen um Palästina

und zu den christlichen Kreuzzügen.


Gott – Jachwe


De Christn, Moslem, Judn ham

oan Herrgott obet‘, oisand zamm.

Eahn Gott habm s damois Jachwe gnennt.

Erst spater habm sie si dann trennt.


Kam is der Glabm ausnanderganga,

habm deswegn Streit und Kriag ogfanga.


Was hat ins ausanandatriebm,

und wer hat was für Gsetza gschriebm

und strenge Schriftn no verfasst?

Wer is s, der sunst nix geltn lasst?

Wer hat ins oi de Lehrn auftischt

und inser Bluat mit Hass vermischt?

Wer hat ins aufanandaghetzt,

dass mancher glei sei Messer wetzt?

Wer hat den erstn Giftpfeil gschossn?

Warum is so vie Bluat scho gflossn?


A jeder moant, grad er hat Recht.

Was anders is, is foisch, is schlecht.

Er müaßt den andern drum bekehrn.

Dagegn werd si da sej glei wehrn.

Er nimmt an Prügl fest in d Hand.

Scho stehn ma wieder gegnanand.


Bevor ma einschlagn aufranand,

fragts z‘erst des Herz, fragts an Verstand.


aus dem Buch "Gedanknflug"


Was werd bleibm?


Mehra, mehra, oiwei mehra,

oiwei mehra müaß ma habm.

Was werd bleibm, wann mia moi gehn,

wann s a Grab zletzt für ins grabm?


Was werd bleibm va inserm Dasein,

wann da letzte Vorhang foit,

wann des Erbe dann verteilt is

und de letzte Rechnung zoiht?


Was werd bleibm? Was bleibt van Lebm?

Bleibt da was, des i hab gebm?

Werd va mir was übrigbleibm?

Bleibt van Dichtn was, van Schreibm?


Bleibt a Text, den oaner mag?

Bleibt a Anwort auf a Frag?

Bleibm Gedankn? Bleibt a Gschicht?

Bleibt a bsunders scheens Gedicht?


Bleibat grad oa oanzigs Wort

richtig gsagt am kredn Ort,

bleibat was va dera Kunst,

waar mei Schreibm nit ganz umsunst.


aus dem Buch "Gedanknflug"


Ist es euch in diesem Jahr auch schon aufgefallen?


D Insektn sterbm aus


Koa Weps mehr ban Frühstück

koa Muck surrt im Zimmer

koa Brems sticht ban Bad‘n


Es krabbet koa Käfer

es fliagt fast koa Floig


D Insektn sterbm aus

weil s de PflanznSCHUTZMITTL

nit recht vertragn


Grad guat is s

na brauchn mas

boid nimma daschlagn


De lästign Viecher

für was san de da?

Sie plagn und sekkiern ins

gehn sicher neamd a(b)


D Insektn sterbm aus

und ma gfreit si iatz no

dawei gehn d Insektn

ins grad voro


Denk dro

sie gehn ins grad voro

Angst macht blind


Unheil kündn s o im Rundfunk,

aus da Zeitung tröpfet s Bluat

und ban Fernseghn führn s de Gwoit vor,

raubm ins so den letztn Muat.


Grad no schwoarz zoagn s ins de Zukunft,

Teifen wern an d Wand hi‘ gmoit

und im Netz schreibt wer auf „Twitter“:

Nix is sicher, oiss zerfoit.


Angst werd gschürt mit jeder Nachricht.

Angst, sie wachst, werd mehr und mehr,

frisst sich langsam bis in d Seel.

Scho wern mia ihr nimma Herr.


Hab koa Angst, stemm di dagegn!

S gibt doch so vie Scheens zan sehgn.

Angst macht blind und des is schad,

Angst is nia a guater Rat,


denn d Angst sucht sich an stoarkn Mo.

So fangan Diktaturen o.


Gedanken zu den NSU Morden in Deutschland


Wann du wegschaust


Springerstife, Köpf rasiert,

Trummewirbe, d Luft vibriert

va Fremdnhass und Hetzparoin,

Gwoit marschiert auf grobe Soihn.


Wannst nix hörn möchst, hörst nix – rechts,

wann du wegschaust, siagst nix Schlechts.


Auf de Lippn – Vaterland,

an Revoiver in da Hand,

bis a feiger Schuss dann foit,

und wer mit seim Leb’m zoiht.


Wer selbm rechts steht, deckt de – rechts,

wer nit hinschaut, siagt nix Schlechts.


Joahr für Joahr san so verganga,

zehn daschossn, koaner gfanga

va da mörderischn Bruat.

Brauner Dreck schwimmt auf‘m Bluat.


Wer grad links suacht, findt nix – rechts,

wer gern wegschaut, siagt nix Schlechts.


Neamd möcht Konsequenzn tragn

für des Wegschaun und Versagn.

Deutsch sein hat heut nit vie Taug.

Mia san blind am rechtn Aug.


aus dem Buch "Gedanknflug"


Der "Rechtsruck" in Europa ist beängstigend


A koiter Wind


De Angst geht um wias weitergeht,

ma fürcht, es kimmt grad Schlechts.

A koiter Wind blast durch de Zeit,

waht unverhoihn va rechts.


Er wirbet auf und braune Geister

siagst durch d Straßn schwirrn.

De fangan oiwei mehra Leut

und kralln si fest im Hirn.


Und boid schmeckt d Luft nach Brand und Rauch.

Parolen ko ma hörn.

Des Voik san mia! Des Boot is voi!

Gegn Fremds wern mia ins wehrn!


Nach Eisnbesn schreit ma laut,

wünscht sich an stoarkn Mo.

Mia habms scho ghabt. Grad Load hats bracht.

‘s denkt kaam no oaner dro.


Der koite Wind macht Menschn hoart,

lasst Herz und Gfüh dafriern.

Ma ziagt an Zaun aus Stachedraht,

verrieglt alle Türn.


Es gibt aa Leut, de schaun grad weg,

de mögn nix hörn, nix wissn,

de sitzn in da woarma Stubm.

Nix druckt und plagt eah Gwissn.


I häng a Glockn vor mei Haus,

so hör i s, wanns draußt windt.

Na geh i naus, stell mi in Weg,

dass er koan Durchlass findt.


Kemmts her und hängts enk ei bei mir,

kemmts alle her, kemmts gschwind.

Stehn mia ois wia a Mauer zamm,

na brems man ei, an Wind,

na brems man ei, den koitn Wind.