Gedichte des Monats

Lorenz Heiß

Mundartdichter - Bergsteiger - Hobbyfotograf


2019 - Gedichte des Monats

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Schnäppchen


Billig, billig, fast umsunst!
Du konnst nit widersteh.
Du hast zwar oiss, du braucherst nix,
doch „Schoppn“ is so schee.


A so a „Schnäppchen“ muaß iatz her,
drum hat di s Geld nit greit.
Doch wer was kaft, muaß dafür schuftn
und des kost Kraft und Zeit.


Drum, wannst iatz moanst der Kauf war günstig,
na liegst du voi danebm,
denn oiss, was du nit brauchst und kafst,
kost di an Teil vom Lebm,
kost di an Teil vom wahren Lebm.

D Leit re(d)n vie


Da Tag is lang und d Leit re(d)n vie,
re(d)n über oiss, aa über mi,
re(d)n nach da Schrift, re(d)n Dialekt,
re(d)n drum herum, sagns aa direkt.


Egal wiast redst, red so wiast magst.
Entscheidnd is grad WAS du sagst.

Broutlose Kunst


I woaß nit,

ob irgendwer liest, was i schreib,
i woaß nit, obs wen intressiert.

I woaß grad,

s gibt Menschn, de lassn s nit schreibm,
de derfn eah Meinung nit sagn.


I derf - und drum sag i -

und schreib i - und frag i -

und laft ebbas schiaf, na werd i kritisiern.
Vielleicht kinnan Wörter a Sach korrigiern,

vielleicht ko oam des, was i gschriebm hab, was gebm,
vielleicht werds a kloans bisserl friedlicher, s Lebm.


Na waar s nit umsunst,
mei broutlose Kunst.

Oiss lasst nach


Mei Sehgn lasst nach
mei Hörn lasst nach
mei Kraft lasst nach
mei Geist lasst nach


Mei Schreiberei
lasst aa iatz nach


S werd Zeit
dass i mein Nachlass schreib!

Wann du nit da bist


Wann du nit da bist
verliern d Augn eahn Glanz
wann du nit da bist
verstummt ma mei Lachn
wann du nit da bist
vertrickert ma d Freid
wann du nit da bist
vergeht s nit, de Zeit


Und dann woart i und woart i
bist du wieder kimmst


und mit dir
da Glanz und des Lachn und d Freid

Eigentlich

Da Schreibtisch lockt

Mia grabm

Zwoa Viecher, zwoa Weltn

Oiwei wieder


Setz du a Zeich

Rettet die Bienen

Wissn is Macht

Gegan Wind

Zwoa Seitn

Leb im Iatz 

Aufschroa

Nia was anders gsehgn

 

Warum, ja warum

Tanz am Vulkan


2018 - Gedichte des Monats
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No amoi

Des Kreiz ban Teife

Wörter wia Stoa

 

Des “Mia san mia”,

 

Was bist Du?


Summa am Weiher


Is s iatz scho z’spat?


Aus da Zeit

In an Kinderwagn gschaut


Es kimmt was auf ins zua

Stoiz sei‘

Des grouße Fressn


Monatsgedichte vor 2018:

Evolution 2000


Z’erst Aff

dann Mensch


Wia gehts iatz weiter?


Oiwei schlauer

oiwei gscheiter

oiwei größer

werd des Hirn


s Herz werd kälter

werd dafriern


Für einen lieben Menschen, der eine schöne Spur in die Welt zieht.


Dei Spur


Boid kurze und boid lange Schritt,

boid gschwind und boid in Ruah,

boid hinum, herum, Tritt für Tritt

ziagst du in d Welt a Spur.


S geht grad dahi‘ und aa im Kroas

und manchmoi bleibst du steh.

Ois suachatst was auf deiner Roas,

muaßt oiwei weitergeh.


Du schaust auf d Spur am Abend spat.

Sie fügt si schee ins Land.

Van Zeitwind werd sie morgn verwaht,

dem Wind hoit sie nit stand.


Er werd am End gaach drüberfegn,

doch nix is ganz verlorn.

Ma ko dei Spur zwar nimma sehgn,

doch d Welt is reicher worn,


de Welt is REICHER worn.


Was werd bleibm?


Mehra, mehra, oiwei mehra,

oiwei mehra müaß ma habm.

Was werd bleibm, wann mia moi gehn,

wann s a Grab zletzt für ins grabm?


Was werd bleibm va inserm Dasein,

wann da letzte Vorhang foit,

wann des Erbe dann verteilt is

und de letzte Rechnung zoiht?


Was werd bleibm? Was bleibt van Lebm?

Bleibt da was, des i hab gebm?

Werd va mir was übrigbleibm?

Bleibt van Dichtn was, van Schreibm?


Bleibt a Text, den oaner mag?

Bleibt a Anwort auf a Frag?

Bleibm Gedankn? Bleibt a Gschicht?

Bleibt a bsunders scheens Gedicht?


Bleibat grad oa oanzigs Wort

richtig gsagt am kredn Ort,

bleibat was va dera Kunst,

waar mei Schreibm nit ganz umsunst.


aus dem Buch "Gedanknflug"


Ist es euch in diesem Jahr auch schon aufgefallen?


D Insektn sterbm aus


Koa Weps mehr ban Frühstück

koa Muck surrt im Zimmer

koa Brems sticht ban Bad‘n


Es krabbet koa Käfer

es fliagt fast koa Floig


D Insektn sterbm aus

weil s de PflanznSCHUTZMITTL

nit recht vertragn


Grad guat is s

na brauchn mas

boid nimma daschlagn


De lästign Viecher

für was san de da?

Sie plagn und sekkiern ins

gehn sicher neamd a(b)


D Insektn sterbm aus

und ma gfreit si iatz no

dawei gehn d Insektn

ins grad voro


Denk dro

sie gehn ins grad voro

Betongoid


D Jalousien heruntn,

de Türn fest verrieglt,

de Wohnung verwaist

oft zehn Monat im Joahr.


Und trotzdem werd neu baut.

s werd baut und grad baut,

denn Betongoid is gfragt

und Objekte zan abschreibm.


Sie baun und sie baun,

und aa mia kinnan abschreibm,

mia kinnan bestimmt

inser Hoamat boid abschreibm.


aus dem Buch "Gedanknflug"


Trinkts koa Wasser


Duads ma bloß koa Wasser trinkn,

trinkts a Bier und trinkts an Wein.

Kaam Regn im Herbst – da Bo(d)n stabtruckn!

De Erderwärmung muaß des sein.


Drum trinkts koa Wasser, des is knapp,

was sunst oiss trinkts, des is ma gleich.

Des bisserl Wasser, des no rinnt,

des brauch ma für’n Beschneiungsteich.


Die Armen werden immer ärmer, die Reichen immer reicher.

1% der Weltbevölkerung besitzt schon jetzt knapp 50% des Weltvermögens.

Immer mehr Waffen schüren immer mehr Kriege. Deutschland ist einer der größten Waffenexporteure.

Riesige Konzerne sichern sich die Rohstoffvorkommen der 3.Welt und fischen die Küsten Afrikas leer.

Industrie- und Schwellenländer verschmutzen die Umwelt. Durch die Erderwärmung werden die Wüsten, aber auch die Überschwemmungsgebiete immer größer.


20 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht vor Armut, Krieg, Arbeitslosigkeit und Zerstörung ihres Lebensraumes.


Obergrenzn


I hoff, dass jeder des versteht,

mia helfn Flüchtling wo s grad geht,

doch mehra kinn ma nimma nehma.

Zu ins, da möchtn oisand kemma.

Der Flüchtlingsstrom nahm nia an End,

a Obergrenzn waar konsequent.


Doch oans is klar, des is zwar schwa(r),

ois Konsequenz bräuchts nachat aa

erst recht a Reichtums-Obergrenz,

a Waffn-Export-Obergrenz,

a Rohstoff-Ausbeut-Obergrenz,

a Welt-Zerstörungs-Obergrenz.


Wann mia des oiss begrenzn daadn

mit da gleichn Konsequenz,

na bräucht ma irendwann vielleicht

goar koa Flüchtlings-Obergrenz.


Politiker ziagts Konsequenzn,

s bräucht aa no andre Obergrenzn!


Gespart wird heutzutage hauptsächlich bei Lebensmittel


Billig


Billig, billig!

Lebensmittl soitn heut spottbillig sei.

Bio? Na, des is ins z’teier.

Grad no billig ka(u)f ma ei.


Drum wern aa de Lebensmittl

ohne Sorgfoit produziert.

Gift werd gspritzt, Hormone gfuattert,

Bo(d)n und Wasser ramponiert.


Billig is s, was mia heut essn,

ungsund, oftmois nit vie wert.

Geld werd für oiss andre ausgebm,

gspoart bei dem, was ins ernährt.


Teier werds erst, wann ma krank wern,

wann da Doktor ins kuriert.

Teier werds aa, Luft und Wasser

muaß entgift wern und filtriert.


Teier werds, denn „Killer-Keime“

broatn sich heut gfährlich aus.

Resistent bedrohn sie iazat

Feld und Stoi und Kranknhaus.


Teier, teier, sündhaft teier!

Es is nit da Einkauf teier.

Mia zoihn s über d Kranknkasse,

d Umweltsündn über d Steier.


Billig, billig!

Lebensmittl soitn heut spottbillig sei.

Bio? Na, des is ins z’teier.

Überleg - und dann kaf ei!


Überleg dirs guat und dann kaf ei!


Gedanken zum gegenwärtigen IS-Terror,

aber auch zu den Kriegen um Palästina

und zu den christlichen Kreuzzügen.


Gott – Jachwe


De Christn, Moslem, Judn ham

oan Herrgott obet‘, oisand zamm.

Eahn Gott habm s damois Jachwe gnennt.

Erst spater habm sie si dann trennt.


Kam is der Glabm ausnanderganga,

habm deswegn Streit und Kriag ogfanga.


Was hat ins ausanandatriebm,

und wer hat was für Gsetza gschriebm

und strenge Schriftn no verfasst?

Wer is s, der sunst nix geltn lasst?

Wer hat ins oi de Lehrn auftischt

und inser Bluat mit Hass vermischt?

Wer hat ins aufanandaghetzt,

dass mancher glei sei Messer wetzt?

Wer hat den erstn Giftpfeil gschossn?

Warum is so vie Bluat scho gflossn?


A jeder moant, grad er hat Recht.

Was anders is, is foisch, is schlecht.

Er müaßt den andern drum bekehrn.

Dagegn werd si da sej glei wehrn.

Er nimmt an Prügl fest in d Hand.

Scho stehn ma wieder gegnanand.


Bevor ma einschlagn aufranand,

fragts z‘erst des Herz, fragts an Verstand.


aus dem Buch "Gedanknflug"


Flächnfraß


S werd ohne Rücksicht oplaniert

und asphaltiert und betoniert,

s werd niedergmacht, was wachst und blüaht

und neamd is da, der protestiert.


S werd s Land verschandlt und verbaut

und auf d Natur vie z’wenig gschaut.

Da Flächn-Fraß werd oiwei mehr.

Mia wern dem Übe nimma Herr.


Für d Menschheit werd de Welt boid z’kloa.

An Blasboig bräucht ma, wia i moa,

an Blasboig - völlig nei erfundn -

mit dem ma d Welt vergrößern kunntn.


Ma blasat s auf, wia’n Luftballon,

scho hätt ma Platz für mehr Beton

und mehr Asphalt. Des waar a Freid!

Ma blasat grad va Zeit zu Zeit.


Zletzt blasat ma, bis s d Welt dann z‘reißat

ins Menschn weit ins Weltall schmeißat.

Und no was fliagat hinterher,

des waarn Betonbröck, Kies und Teer.


Ma kunnt dann d Milchstraß asphaltiern,

ma kunnt Planetn oplaniern,

kunnt Umlaufbahnen betoniern

und koa Naturschutz daad geniern.


Und ohne Wiesn, Woid und Feld

entstand im All a neie Welt.

Da Woif kimmt


Dass da Woif za ins kimmt,

des is grad a Gred.

De Viecher, de mia habm,

de schmeckn eahm ned,


weil mia eah zan Wachsn

Hormonspritzn gebm.

Mit Antibiotika

hoit ma s am Lebm.


Da mag er doch liaber

im Märchenbuach bleibm,

frisst d Groußmuatter zamm,

na braucht er nit speibm.


aus dem Buch "Gedanknflug"


Öfters


Öfters a Krüagl

frischs Bier in da Hand,

öfters grad außeschaun,

auße ins Land.


Öfters grad dasitzn

ohne was z’sagn,

öfters koa Antwort gebm,

wann s oan was fragn.


Öfters nix planen,

nix denkn, grad schaun,

öfters auf alles

an Deckl draufhaun.


Öfters a Zeit

grad zan Faulenzn nehma,

öfters schee gmüatlich

van Gas obakemma.


Des daad ins gwiss taugn,

doch ma müaßts hoit - i moa -

vie öfter aa doa.

Angst macht blind


Unheil kündn s o im Rundfunk,

aus da Zeitung tröpfet s Bluat

und ban Fernseghn führn s de Gwoit vor,

raubm ins so den letztn Muat.


Grad no schwoarz zoagn s ins de Zukunft,

Teifen wern an d Wand hi‘ gmoit

und im Netz schreibt wer auf „Twitter“:

Nix is sicher, oiss zerfoit.


Angst werd gschürt mit jeder Nachricht.

Angst, sie wachst, werd mehr und mehr,

frisst sich langsam bis in d Seel.

Scho wern mia ihr nimma Herr.


Hab koa Angst, stemm di dagegn!

S gibt doch so vie Scheens zan sehgn.

Angst macht blind und des is schad,

Angst is nia a guater Rat,


denn d Angst sucht sich an stoarkn Mo.

So fangan Diktaturen o.


Krieg im Nahen Osten


Wann d Stoana schrein


Stoa auf Stoa

auf’nandergschicht‘

mit so vie Müah und Fleiß


Stoa auf Stoa

mit Mörtl gfugt

de Mauern tränkt mit Schweiß


Stoa auf Stoa

denn aus de Stoa

soit Schutz und Hoamat wern


Stoa auf Stoa

und endlich konnst

aus Häuser Lachn hörn


A Kriag bricht aus

und Haus um Haus

zerbombt, zerstört, zerfoin


Wo Stoa auf Stoa glegn

liegt koa Stoa

koa Stoa mehr auf dem andern


Schutt und Aschn

Trümmerfeld

de Stoana tränkt mit Bluat


Da schrein de Stoa

verzweifet auf:

Mia san zwar hoart, mia Stoa


stoahoart san mia

doch mia san z‘foin

denn härter is da Mensch

Gedanken zu den NSU Morden in Deutschland


Wann du wegschaust


Springerstife, Köpf rasiert,

Trummewirbe, d Luft vibriert

va Fremdnhass und Hetzparoin,

Gwoit marschiert auf grobe Soihn.


Wannst nix hörn möchst, hörst nix – rechts,

wann du wegschaust, siagst nix Schlechts.


Auf de Lippn – Vaterland,

an Revoiver in da Hand,

bis a feiger Schuss dann foit,

und wer mit seim Leb’m zoiht.


Wer selbm rechts steht, deckt de – rechts,

wer nit hinschaut, siagt nix Schlechts.


Joahr für Joahr san so verganga,

zehn daschossn, koaner gfanga

va da mörderischn Bruat.

Brauner Dreck schwimmt auf‘m Bluat.


Wer grad links suacht, findt nix – rechts,

wer gern wegschaut, siagt nix Schlechts.


Neamd möcht Konsequenzn tragn

für des Wegschaun und Versagn.

Deutsch sein hat heut nit vie Taug.

Mia san blind am rechtn Aug.


aus dem Buch "Gedanknflug"


Der "Rechtsruck" in Europa ist beängstigend


A koiter Wind


De Angst geht um wias weitergeht,

ma fürcht, es kimmt grad Schlechts.

A koiter Wind blast durch de Zeit,

waht unverhoihn va rechts.


Er wirbet auf und braune Geister

siagst durch d Straßn schwirrn.

De fangan oiwei mehra Leut

und kralln si fest im Hirn.


Und boid schmeckt d Luft nach Brand und Rauch.

Parolen ko ma hörn.

Des Voik san mia! Des Boot is voi!

Gegn Fremds wern mia ins wehrn!


Nach Eisnbesn schreit ma laut,

wünscht sich an stoarkn Mo.

Mia habms scho ghabt. Grad Load hats bracht.

‘s denkt kaam no oaner dro.


Der koite Wind macht Menschn hoart,

lasst Herz und Gfüh dafriern.

Ma ziagt an Zaun aus Stachedraht,

verrieglt alle Türn.


Es gibt aa Leut, de schaun grad weg,

de mögn nix hörn, nix wissn,

de sitzn in da woarma Stubm.

Nix druckt und plagt eah Gwissn.


I häng a Glockn vor mei Haus,

so hör i s, wanns draußt windt.

Na geh i naus, stell mi in Weg,

dass er koan Durchlass findt.


Kemmts her und hängts enk ei bei mir,

kemmts alle her, kemmts gschwind.

Stehn mia ois wia a Mauer zamm,

na brems man ei, an Wind,

na brems man ei, den koitn Wind.