Gedichte des Monats

2021 - Gedichte des Monats

können als Audio-Datei abgehört werden (Balken anklicken)

Nach dem Krieg: Rechter Arm amputiert, linke

Körperseite 10 Jahre bis zu seinem Tod gelähmt.


Vata

 

S hat a krankhafts, bös' Hirn

de ganz Welt überfoin.

Es trifft di koa Schuid,

doch du muaßt dafür zoihn.

 

Oa Arm liegt in Russland,

im andern - koa Gspüar,

denn dei Körper is leblous.

Verlorn kimmst da vüar.

 

Ma muaß di iatz fuattern,

di waschn, rasiern,

di ausziagn, di oziagn,

di oi Tag frisiern.

 

Und du konnst grad zuaschaun.

Für di is s a Graus.

A Frau und vier Kinder,

an Hof und a Haus.

 

Joahraus und joahrein

in dir selber drin gfanga.

Wia soi da dei Kraft

no für andere glanga?

 

Wia soitst du da Vorbild sei,

Kindern was zoagn,

wia soitst ins was lerna,

wia soitst für ins sorgn?

 

I hätt gern wen ghabt,

dem i nacheifern ko.

Doch wia hätt des geh soin?

A z‘brochener Mo!

 

So vie Load hat der Kriag bracht,

drum kriag i mei Wuat,

wann i siahg, wia s heit nachwachst

de „gleich braune Bruat“.


Und i denk an di - Vata,

dei Schicksoi, dei Lebm.

Deine Traam habm s zerstört.

Du hättst gern mehra gebm.

 

Trotz oim bin i dankboar,

tiaf drinnan in mir

gspür i heit no de Liab,

de i kriagt hab - va dir.

Immer wieder trifft es gerade die ohnehin schon armen, kranken und schwachen Menschen. Warum?

 

Vata unser, warum

 

Vata unser …

 

Bist du scho inser Vata?

San mia deine Kinder?

Und kinn ma, wanns noutduad,

auf di voi vertraun?

 

Vata unser im Himme …

 

Warum bist im Himme?

Warum nit bei ins?

Auf Erdn da wurdatst

so noutwendig braucht!

 

Dein Wille geschehe …

 

Warum so vie Nout?

Warum so vie Toud?

Warum, ja, warum?

So geht doch a Vata

mit Kinder nit um!

 

Was sagst za dem Load?

Dei Wi(ll)n soit des sei?

Vata unser, warum,

warum bleibst du stumm?

 

Vata unser im Himme,

warum, sag, warum?


Wia si oiss draht

 

Da gibt es Tag so koit und laa(r),

wo oi de Hoffnung möcht zerscherbm.

A jede Arbat werd oam schwa(r),

und jede Freid ko bloß verderbm.

 

Doch dann, ma woaß nit, wias oam gschiacht,

grad hat ma gmoant, es is oiss z'spat,

da wachst in finstrer Stund a Liacht.

De Nacht mit dir hat oiss glei draht.

Außeschrein

 

Außeschrein möcht i s

jedn Tag außeschrein

Oisand soin s wissn

 

Außeschrein möcht i s

doch dir waars nit recht

und drum b’hoit i s für mi

 

Außeschrein möcht i s

doch wenigstns sagn

grad dir möcht i s sagn

 

denn du soitst as wissn

du soitst as hörn

I hab di unbandig gern!

De Berg - mei Dahoam

 

Heit schaun de Berg

wia frisch ogstrichn aus,

heit is a pfundiger Tag.

Heit ziagts mi aufe,

heit bringt mi nix draus,

weil i mag, weil i mag, weil i mag.

 

De Sunn leucht de Welt aus,

da Himme blitz blau,

meine Augn glangan unendlich weit.

S Herz geht ma über,

wohi i aa schau,

so a Freid, so a Freid, so a Freid.

 

Wann a Windei va weit her

an Voglgsang waht,

dann loos i ganz andächtig zua.

Es flüstern de Grasein,

doch sunst is oiss staad,

so a Ruah, so a Ruah, so a Ruah.

 

Steh i dann am Gipfe,

a unsagboars Gfieh.

Es taugt ma, i tauschert mit koam.

De Berg san mei Lebm,

de Berg san für mi

mei Dahoam, mei Dahoam, mei Dahoam.

Was Bessers


S is nit oiwei des Beste

auf Bessers zan woartn

und z hoffn,

was Bessers werd kemma.

 

Oft is es besser,

des Guade zan nehma

und da draus was z machn

was Bessers draus z machn.

Ein fremder Mann

trägt eine Puppe im Arm

Die Leute lachen.

 

Weil er a Puppn tragt

 

Ma lachtn aus - den Mo

weil er im Arm a Puppn tragt

 

„Mei Dirndl - du“

hat er zur Puppn gsagt

„wia gehts da denn?

Kimm - sag warum

warum bleibst du

seit damois stumm?“

 

Weil er so seltsam fragt

de Puppn seltsam fragt

da merkt ma erst

der Mo is kloa verzagt

 

Hat er a Kind verlorn?

Is eahm „sei Welt“ dafrorn?

Hat er des nit verkraft

es nia ins Lebm zruck gschafft?

 

Weil er sei Load koam klagt

drum hat mas nit dafragt

Doch s Lachn frierts oam ei

 

Es kunnt so gwesn sei!

für meine Enkelkinder (4 leibliche + 3 "geschenkte")

Dro gla(u)bm

 

Du bist wer

du konnst was

du muaßt grad

dro glabm

 

Probiers doch

es geht scho

probiers doch

es geht

 

Du konnst es

vertrau drauf

es werd scho

werst sehgn

 

Es geht scho

dro glabm muaßt

dro glabm muaßt

mei Kind

 

Grad wer an sich glabt

der kimmt an sei Ziel

 

Wer s Lebm fest in d Hand nimmt

bei dem gehts am Zügl

 

Wer unbedingt fliagn möcht

dem wachsn aa Flügl

  1. Buch Mose – Kapitel 1 Vers 28

 

Biblwort und Größnwahn

 

S gibt Menschn - herrisch, grob und dumm -

de gehn min Viech respektlous um.

 

Des is ja bloß a Viech

und Viecher habm koa Sej (Seele).

A Sej hat nur da Mensch,

nur Menschn habm a Sej.

 

Wann mia a Sej habm, d Viecher koane,

na müaßt ma doch erst recht, so moan i,

des Lebm va Viecher besser gstoitn,

sie artgerecht und freier hoitn,

denn sunst is so a Sej nix wert.

 

A Sej hat doch grad dann an Wert,

wann der, der s hat, aa d Schöpfung acht

und nit grad einpfercht, mäst und schlacht.

Für ins is s Viech oft grad a Sach,

mia schindns, quälns millionenfach.

 

Was is van Biblwort iatz bliebm,

a Biblwort va Menschn gschriebm?

I hab mi des scho so oft gfragt

und glab nit, dass a Herrgott sagt:

„Machts eich de Erdn untertan!“

Der Spruch führt leicht zan Größnwahn.

I mag nit

 

I mag nit de austretna Tritt va de Leit

und i mag nit im Gleichschritt marschiern.

I mag nit mei Lebtag lang hinter oa geh,

de des Tempo und d Richtung diktiern.

 

I mag nit versteh, warum s Unrecht meist gwinnt,

und dass koaner dagegn ebbas duad.

I mag nit dro gla(u)b, ma muaß s nehma, wias is

und so doa, ois wurds selbm wieder guad.

 

I mag nit so sei, wia de meistn sich gebm.

I mag nit, i mag nit so lebm!

Mit dir

 

Da Schnee is no nia

so schee weiß gwen wia heit,

so weiß is de schneeweiße Zier.

 

Da Himme is nia

so tiaf blau gwen wia heit,

no nia so tiaf blau, sagt mei Gspür.

 

I kenn doch an Schnee,

i kenn doch des Weiß,

doch so schee schneeweiß is s sunst nia.

 

I kenn insern Himme,

i kenn aa des Blau,

so blau is s nia gwen, kimmts ma vür.

 

I kenn inser Landl,

i kenn s aa verschniebm

und woaß nit, was is heit mit mir.

 

Des ojerscheenst Weiß

und des ojerscheenst Blau

dableb i im Winter mit dir.

Überschrittn?

 

Erderwärmung, Artnsterbm -

mia steuern gradwegs ins Verderbm.

I fürcht, a Grenz is überschrittn

und oi des lasst si kaam mehr kittn.

 

Es laft so vie bei ins danebm,

a „Weiter so“ derfs nimma gebm.

Grad oiwei mehra konsumiern,

so wern ma d Erdn ruiniern.

 

Mit Gwinnsucht, Gier und Unverstand

foahrn mia de Zukunft voi an d Wand.

Va welchan Teife wern mia grittn?

Is iatz de Grenz scho überschrittn?

 

A Rettungsplan ziagt si in d Läng,

obwoih mia wissn, es werd eng.

Es bleibt grad no a kloane Luck,

werd de nit gnutzt, na gibts koa Zruck.

 

Was nachbei kimmt, is heit scho gwiss,

es kimmt bestimmt nit s Paradies.

2020 - Gedichte des Monats

können als Audio-Datei abgehört werden (Balken anklicken)

Was ma braucht

Weihnachtsfriedn

Des kimmt nit infrage

Woik und Stoa

Grouße Augn

I mag no nit

Gipfeglück

Erinnerungen


Sophia   (3 Jahre)

Michi   (1 ½ Jahre)

Schwoarze Vögl

Mach s Beste draus

S Weiterlebm

S Ewige Lebm

Mei grouße Liab


Früahling am Berg

Ab und zua

Nach Corona

Corona

Mei Zeit am Berg

Oiss hat sein Preis

Überlebm

Schnäppchen

D Leit re(d)n vie

2019 - Gedichte des Monats

können als Audio-Datei abgehört werden (Balken anklicken)

Broutlose Kunst

Oiss lasst nach

Wann du nit da bist

Eigentlich

Da Schreibtisch lockt

Mia grabm

Zwoa Viecher, zwoa Weltn

Oiwei wieder


Setz du a Zeich

Rettet die Bienen

Wissn is Macht

Gegan Wind

Zwoa Seitn

Leb im Iatz 

Aufschroa

Nia was anders gsehgn

 

Warum, ja warum

Tanz am Vulkan